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Die haitianische Revolution – Angewandte Aufklärung

von Jochen Becker

Einleitung

Moderne und Aufklärung sind nicht nur im akademischen Bereich stark in Verruf geraten. Wer glaubt heute im Alltag noch daran, die Welt zu entzaubern, um sie im eigenen Interesse rational einzurichten zu können? Einige Gründe für das Verblassen der aufklärerischen Utopie liegen in ih­rer historischen Verknüpfung mit Greueln wie der transatlantischen Sklaverei. Mbembe (2019) spricht etwa gar von der ‚schwarzen Vernunft‘ als Negativ der aufklärerischen; als einer ‚Vernunft‘, die vor allem damit beschäftigt ist, Ausnahmen für die frisch verkündete universelle Gleichheit zu finden und dabei regelrecht phantasiert, um ihre barbarische Praxis zu rechtfertigen. Und in der Tat war (und ist) die Bilanz vieler sich aufgeklärt wähnender EuropäerInnen sowohl barbarisch als auch in einer noch zu untersuchenden Art mit der historischen Aufklärung verbunden. Barbarisch: Selbst zeitgenössischen Schriftstellern fiel schon auf, dass kein „Platz der Erde […] so konzentrier­tes Leid wie der Laderaum eines Sklavenschiffes“ enthielt (Zit. n.: James 1984: 13). Und auch am Zielort – hier San Domingo, das spätere Haiti – füllt selbst eine knappe Auflistung der Foltermetho­den, mit denen sich die Kolonialherren die erdrückende Übermacht ihrer Sklaven gefügig machen wollten, mehrere Druckseiten (Ebd.: 18-19). Mit der Aufklärung verbunden: Selbst Ikonen der Auf­klärung wie Immanuel Kant phantasierten sich eine Hierarchie der „Racen“ herbei (Kant 1775).

Aber bietet nicht gerade das Beispiel Haiti und seiner mit der französischen eng verwobenen Revo­lution die Möglichkeit einer anderen Deutung dieser Verbindung von Barbarei und Aufklärung? So verdammten etwa heute unbekanntere, laut Blom (2013) aufgrund ihrer radikaleren Aufklärung un­bekanntere, Aufklärer wie Diderot Kolonialismus und Sklaverei bereits vor der Revolution ener­gisch: „Mögen die Kolonien lieber zerstört werden, als die Ursache so vieles Bösen sein“ (Zit.n.: James 1984: 32)! Und eine maßgebliche Inspiration des haitianischen Revolutionsführers Toussaint L‘Ouverture war das antikoloniale Traktat des Abbé Raynal: „Heute schon gibt es zwei Kolonien flüchtiger Neger […]. Solches Wetterleuchten kündigt Gewitter an. Es bedarf nur eines mutigen An­führers. […] Zweifellos wird er erscheinen; er wird hervortreten und die heilige Standarte der Frei­heit erheben.“ (Zit.n. Ebd.: 32-33)

Zeigt also das Beispiel Haiti die Möglichkeit, dass sich die Aufklärung aus sich selbst heraus un­iversalisieren und über ihre historische Verbindung mit der Barbarei hinaus radikalisieren kann? Um diese Frage beantworten zu können, sollen hier zunächst knapp die Bedingungen der haitianischen Revolution, ihr Verlauf und ihre Folgen untersucht werden. Auf dieser Grundlage wird der Text dann zur Leitfrage zurückkehren. Denn immerhin gibt es neben postmodernen Abgesängen auf den historischen Versuch des Austritts des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit auch wieder Versuche, Anküpfungspunkte – etwa aus Haiti – für eine neue Universalgeschichte zu ziehen (Buck-Morss 2011). Doch da jeder Versuch zur Mündigkeit eben in der Unmündigkeit beginnen muss, ist dieser Weg, auch auf Haiti, voll von Verirrungen, Fehlern und Leid.

Zuckerwirtschaft und Plantokratie

Den ersten Widerspruch der haitianischen Geschichte sollte der französische Sozialist Jean Jaurès später als die „traurige Ironie der menschlichen Geschichte“ bezeichnen: „Der Reichtum, der in Bordeaux und Nantes mit Hilfe des Sklavenhandels angehäuft wurde, verlieh der Bourgeoisie jenen Stolz, der nach Freiheit verlangte und zur menschlichen Emanzipation drängte.“ (Jaurès 1922: 62) 1 Und in der Tat war fast jeder französische Wirtschaftszweig mit der Sklaverei der Kolonien verwo­ben. Ein nicht unerheblicher Teil der Alltagswaren wurden nach Westafrika exportiert, um dort Sklaven einzukaufen, die in die Karibik verschifft wurden. Nahrung, Textilien, Alkohol und Werk­zeuge gingen auch direkt in die Kolonien. Die Agrarprodukte von dort wiederum lieferten die billi­gen Rohstoffe für die einheimische Industrie und den Handel mit Europa: Zuckerraffinade in Bor­deaux, Nantes, Marseille, Orleans, Dieppe und Bercy-Paris; Baumwollverarbeitung in der Norman­die. Auch ein Großteil der in Frankreich verarbeiteten Tierhäute kam aus San Domingo. Der Schiff­bau entwickelte sich, um den Bedarf dieses Handels zu decken. San Domingos Hauptstadt Port-au-Prince war der zentrale Hafen der Karibik. (Vgl.: James 1984: 59-62) Insgesamt wird geschätzt, dass 2-6 Millionen Franzosen direkt von der Kolonie lebten (Ebd.: 61), was 8-24% der französi­schen Bevölkerung entspräche. Kurz: Zumindest nach dem nordamerikanischen Unabhängigkeits­krieg war San Domingo die „bei weitem beste Kolonie der Welt“ (Ebd.: 62) und zugleich „tatsäch­lich das klassische Beispiel einer Plantokratie“ (Mbembe 2019: 38).

San Domingo war dabei vor allem eine landwirtschaftliche Kolonie. Die Plantagen lieferten große Mengen an damals exotischen (und daher teuren) Produkten: Kakao, Kaffee, Indigo und Baumwol­le sowie zunehmend Zucker. Das weiße Gold hatte als eine der „Pflanzen, die die Welt veränderten“ (Hobhouse 2006) gerade im achtzehnten Jahrhundert die asiatischen Gewürze als lukrativstes Han­delsgut der europäischen Kompanien abgelöst und wurde zum ersten Massenkonsumgut (Hanke 2017: 25). Diesen Status sollte es erst während der industriellen Revolution im neunzehnten an die Baumwolle verlieren, die als „King Cotton“ (Beckert 2015) den Rohstoff für die Textilindustrie als erste Leitindustrie liefern sollte.

Zuckerrohr stellt für die Arbeitskräfte, welche ihn züchten und ernten, einige Herausforderungen dar. Es wächst vor allem auf sumpfigem Boden, was die Füße angreift und Insekten anzieht, und wächst bis zu einer Höhe von sechs Metern heran, ist also nur mit erheblicher körperlicher Anstren­gung zu ernten und zu tragen. Neben der Folter und Erniedrigung seitens der Plantagenbesitzer sorgte also auch die Natur des Hauptprodukts dafür, dass selbst bei „gütigen“ Herren, „die sich zu den äußersten Brutalitäten nicht hinreißen ließen, deren Sklaven nur an Überarbeitung und Unterer­nährung und unter der Peitsche litten“ (James 1984: 20), die Sklavenpopulation sich nicht selbst er­halten konnte. Zurückhaltend geschätzt starben 5 bis 6 Prozent der Sklaven pro Jahr, also „in einer Größenordnung, die in Europa nur in Zeiten verheerender Kriege und Seuchen erreicht wurde“ (Gliech 2011: 110). Es wurde also so zahlreich importiert, dass nicht nur die französischen Sklaven­händler nicht hinterher kamen und die britischen reich am regen Schmuggel verdienten – vor allem im Südwesten, der nur 50 Meilen vom britischen Jamaika entfernt war (James 1984: 55, 60, 72). Als sich die Produktion San Domingos zwischen 1783 und 1789 verdoppelte, vervierfachte sich auch die jährliche Sklaveneinfuhr von zehn- bis fünfzehntausend (1764-1771) auf über vierzigtau­send (1789) (Ebd.: 67). So kam es, dass 1791 zwei Drittel der Sklaven in San Domingo in Afrika geboren (Hanke 2017: 35) und noch nicht so gründlich gebrochen waren, wie ihre vor Ort gebore­nen Leidensgenossen…

Doch nicht nur die Masse der Sklaven, welche um die 90% der Bevölkerung stellten (Ebd.: 33), hat­ten offensichtliche Gründe zur Revolte. In der sogenannten Exklusive, der französischen Spielart des Merkantilismus, war San Domingo jeder Handel außer der mit dem Mutterland verboten und die Weiterverarbeitung in Frankreich konzentriert, der Geldverkehr auf kleinere Münzen be­schränkt, um den Schmuggel zu erschweren. Trotz des immensen und wachsenden wirtschaftlichen Erfolgs der Kolonie stieg so auch die Verschuldung der Kolonisten von schätzungsweise 200 Mil­lionen Pfund (1774) auf 300-500 Millionen (1789) (James 1984: 62). Es hatten also weite Bevölke­rungsteile Grund zu Unzufriedenheit. Des weiteren hasste im kolonialen Haiti auch jede Bevölkerungsgruppe die jeweils anderen.

Die vier Hauptklassen

Schon mit Kolumbus wurde Ayti, das „hügelige Land“ der UreinwohnerInnen, zur spanischen Ko­lonie Hispaniola (Hanke 2017: 31). Da Spanien die Insel aber vernachlässigte, setzten sich französi­sche Seeräuber im Westteil fest, der 1697 zur französischen Kolonie wurde (Ebd.: 33). Im An­schluss wurde die Bevölkerung – „Verbrecher jeder Art und aller Nationalitäten“ (James 1984: 8) – vor allem von französischen Siedlern überformt und auch kulturell frankisiert. Zusammen mit den 90% der Bevölkerung, die in die Sklaverei verschleppt wurden, sollte so auf Haiti eine einzigartige Kolonialgesellschaft entstehen. Während auf den anderen Karibikinseln meist eine grobe Unter­scheidung zwischen freien Weißen mit unterschiedlich viel Besitz und versklavten Farbigen herrschte, entstand hier eine Gesellschaft, „die aus vier teilweise ökonomisch, teils nach Hautfarben definierten Klassen bestand“ (Osterhammel 2006: 31). Über diesen thronte noch die Kolonialbüro­kratie, die jedoch fast ausschließlich aus gebürtigen Franzosen bestand, welche nur für die Dauer ih­rer Amtszeit blieben, sich meist bereicherten und keine eigenständige Klasse bildeten (James 1984: 43). Auch die Seeleute, welche in großer Zahl gebraucht wurden, da Sklaven aufgrund der Flucht­gefahr nicht auf Schiffen oder in Häfen arbeiten sollten, bilden eine eigenständige Gruppe, die noch am ehesten an die „Verbrecher jeder Art und aller Nationalitäten“ erinnerte. Sie bildete allerdings nie eine kohärente Kraft und paktierte bald mit dieser, dann jener Fraktion (Popkin 2012), wird hier also nicht weiter behandelt. Die vier Hauptklassen dagegen waren die grand blancs, petit blancs, freien Farbigen und Sklaven.

Die sogenannten großen Weißen waren die Plantagenbesitzer und Handelsbourgeois, welche die Kolonie beherrschten. Schon länger ansässig und zum großen Geld gekommen, band sie dennoch geistig wenig an die Insel. Die wenigen kleinen Städte2 konnten zwar eine Hnadvoll Freimaurerlo­gen, ein vergleichsweise reges Theaterleben und verschiedenste Lasterhöhlen anbieten (James 1984: 39-40), waren ansonsten aber arm an gehobener Kultur und Unterhaltung. Ihre Kinder ließen sie im Mutterland ausbilden und reisten sooft wie möglich selbst dorthin (Ebd.: 37). Mit der Zeit bildete sich eine große Menge von Absentisten heraus, die ganzjährig in Frankreich lebten und aus San Domingo lediglich die Einkünfte ihrer Plantagen bezogen, die sie von kleinen Weißen oder auch freien Farbigen verwalten ließen (Ebd.: 66).

Die kleinen Weißen verachteten sie nach althergebrachtem Standesdünkel, die freien Farbigen auf­grund ihrer Herkunft. Letztere fürchteten sie aber teils auch als aufstrebende Konkurrenten. Die Sklaven waren für sie lediglich Eigentum.

Ihre Interessenvertretung in Frankreich fanden die großen Weißen im Club Massiac. Hier sollten die Absentisten und verbündete Großhändler ab 1789 als Koloniallobby fungieren. Ihr anfänglicher Er­folg verwundert wenig, da 15% der Nationalversammlung über Eigentum in den Kolonien verfügte (Dubois 2005: 21) und sich der Großteil der restlichen Bevölkerung noch kaum für die Kolonialfra­ge interessierte (James 1984: 84). Beachtenswert ist aber, dass der Club Massiac zur Wahrung sei­ner Interessen darauf achten musste, dass das Thema nicht öffentlich behandelt wurde, dass er „sei­ne Aktivitäten vor Außenstehenden geheim [hielt] und […] auf massenwirksame Auftritte“ verzich­tete (Gliech 2011: 243-244). Er fürchtete – zu recht – dass die allgemeine Erklärung der Menschen­rechte bald auf ursprünglich unbeachtete Bereiche wie die Sklaverei Anwendung finden könnte.

Die kleinen Weißen rekrutierten sich aus den Plantagenvorstehern sowie Krämern, Handwerkern, Soldaten und den Angehörigen der freien Berufe wie Anwälten und Notaren (James 1984: 40-42). Zwar suchten sie ebenso nach Reichtum wie die großen Weißen, fanden ihn aber nicht. Aber immer­hin fanden sie symbolische Macht, „denn was immer die Herkunft eines Menschen sein mochte, wie auch sein Ruf und sein Charakter beschaffen waren – die weiße Haut erhob ihn zu einer Person besonderer Qualität, und scharenweise strömten Verfolgte und und gescheiterte Existenzen nach San Domingo“ (Ebd.: 42). Außer als Machtbasis der Bürokratie gegen die großen Weißen (Ebd.: 44) könnte man dabei sogar argumentieren, dass der Großteil der weißen Mittel- und Unterschicht öko­nomisch funktionslos war, denn: „Kein kleiner Weißer war ein Diener, kein Weißer verrichtete eine Arbeit, die ein Neger für ihn tun konnte.“ (Ebd.: 42) Eindrückliches Beispiel ist ein Barbier, der au­ßer Konversation mit dem Kunden und dem Kassieren das Barbieren seinen vier Sklaven überließ und diese gelegentlich schlug (Ebd.).

Kein Wunder also, dass ihnen „Rassenvorurteile wichtiger als der Besitz ihrer paar Sklaven“ (Ebd.) waren. Den großen Weißen mochten sie Macht und Reichtum neiden, der ökonomische Aufstieg der freien Farbigen aber erschütterte ihr Weltbild, sodass ein Großteil der vor der Revolution gegen die Farbigen erlassenen rechtlichen Diskriminierungen nicht zuletzt auf die Besänftigung der petit blan­cs zurückging. Gerade die Ausübung der freien Berufe sollte den Farbigen etwa verboten werden (Hanke 2017: 40)

Über eine Interessenvertretung in Frankreich verfügte die weiße Mittel- und Unterschicht nicht, da die Politik erst noch von Stand und Besitz dominiert wurde und die Kommunikation schwierig war. Als sich die Pariser Massen als potentielle Verbündete schließlich ihren Platz in der Politik er­oberten, sollten diese sich aber gerade gegen die „Aristokratie der Hautfarbe“ wenden (James 1984: 137-138).

Der Beginn der Klasse der freien Farbigen ist doppelt mit dem Mangel an Menschen in der frühen Kolonie verbunden. Zu Beginn der Kolonie gab es, obwohl Kolonialbeamte ständig in angemessen widerlichem Tonfall Paris um die ‚Lieferung‘ von Frauen3 ersuchte, kaum weiße Frauen. Also zwangen die Kolonisten ihre Sklavinnen zu Prostitution und Konkubinat, ohne diese Sitte später aufzugeben. Daraus entstand eine große Menge an Menschen gemischter Herkunft, in früherem Sprachgebrauch als Mulatten, heute eher als Kreolen oder Farbige bezeichnet (Vgl.: Hanke 2017: 9). Zu Beginn waren diese oft frei, da es immer noch kaum Weiße gab und die Herren lieber eine Zwischenschicht wünschten, als noch mehr Feinde (James 1984: 46). Kodifiziert wurde dies 1685 mit dem Code Noir (Vgl. Hanke 2017: 39-40). Den Herren wurde erlaubt, in der Kolonie Geborene zu befreien, was meist auf Ehefrauen oder gemeinsame Kinder hinauslief. Hier war der offizielle Sprachgebrauch „affranchis“ also Befreite, inoffiziell oft „gens de couleur“, also grob „farbiges Ge­sindel“ (Ebd.). Offiziell waren sie uneingeschränkt frei, was aber meist missachtet wurde. Trotzdem konnten sie sich einen großen wirtschaftlichen Erfolg erarbeiten. Hanke (2017: 40) betont die allge­meine wirtschaftliche Dynamik und das noch größtenteils freistehende Land als Grund, James (1984: 49) eine Art im Gegensatz zu den Weißen der Insel ‚protestantische Ethik‘ der Arbeit und Sparsamkeit als Gründe für den Aufstieg. Bei einer Bevölkerungszahl von dreißigtausend kleinen und großen Weißen und vierzigtausend freien Farbigen (Ebd.: 273) sollten sie bis 1789 ein Viertel der fünfhunderttaused Sklaven besitzen. Zunächst trotzten sie nur einigen Benachteiligungen, etwa durch weiße Richter oder verstärkten Milizdienst (Ebd.: 45-46). Doch ihre gesellschaftliche Positi­on zeigte „die Absurdität und Macht von rassistischen Vorurteilen in der Kolonie“ (Dubois 2005: 60). So wurden sie mit ihrem wachsenden Reichtum und der wachsenden Anzahl weißer Kolonisten den letzteren immer suspekter, „um so mehr, als sie reicher sind und neuerdings auch gewöhnt, wei­ße Schuldner zu haben, und uns ohnehin nicht mehr den gebührenden Respekt entgegenbringen.“ (Zit.n.: James 1984: 52)

1764 kamen Berufsverbote für freie Berufe, 1779 ein Verbot „die Kleider, Frisuren, den Stil oder die Körperhaltung der Weißen nachzuahmen“ (Zit.n. Hanke 2017: 41) und eine Flut weiterer Verbo­te (etwa: Bewaffnung, öffentliche Versammlungen, Überfahrt nach Frankreich, die Anreden ‚Mon­sieur‘ und ‚Madame‘) (James 1984: 52). „Das einzige Recht, das sie noch besaßen, war, weißen Leuten Geld zu leihen.“ (Ebd.: 53)

Doch die Versuche der Kolonisten, ihre Konkurrenz klein zu kriegen, kamen zu spät. Bis zum Ver­bot der Reise nach Frankreich hatten auch viele Farbige ihre Kinder in Frankreich bilden lassen, wo sie und auch Schwarze frei waren. Einige hatten Karrieren im Militär gemacht (Ebd.: 51). Kehrten sie zurück, stellten sie eine intellektuelle oder zusammen mit den farbigen Milizionären eine militä­rische Gefahr dar. Blieben sie in Frankreich, konnten sie dort für ihre Sache agitieren.

So gab es zwei Arten ihrer Interessenvertretung in der Metropole. Zum einen die gebildeten Vertre­ter der farbigen Plantagenbesitzer. Diese wollten zunächst dem Club Massiac beitreten, wurden dort aber abgelehnt. Daraufhin gründeten sie die „Societé des colons Américains“ (Gesellschaft der ame­rikanischen Kolonisten), welche gleiche Rechte für alle freien Farbigen und die Befreiung der farbi­gen Sklaven, keinesfalls aber der schwarzen Sklaven forderte. Ganz im Gegenteil stellten sie sich als Garanten eines stabilen Systems der Sklaverei dar und betonten den neuartigen und destabilisie­renden Charakter der jüngeren anti-farbigen Maßnahmen. (Vgl.: Hanke 2017: 55-58) Zum anderen gab es die „Societé des Amis des Noirs“ (Gesellschaft der Freunde der Schwarzen). Diese war inso­fern widersprüchlich, als sie einerseits mit der Societé des colons Americains verbündet war, ande­rerseits aber auch abolitionistische Ansichten vertrat. Von den zahlreichen in ihr vertretenen Größen der frühen französischen Revolution (Brissot, Mirabeau, Pétion, Condorcet, Abbé Gregoire) gingen dabei aber nur die wenigsten so weit wie Condorcet, der die Sklaverei als Diebstahl am Leben des Sklaven geißelte und deren Abschaffung ohne „Kompensation für die Besitzer der Sklaven“ forder­te, „so wie es keine für einen Dieb gebe“ (Zit.n.: Hanke 2017: 51). Während James (1984: 66) die Rolle dieser Gesellschaft ziemlich positiv einschätzt, betrachtet Mbembe (2019: 145) sie als eine von oben betriebene „Politik der Güte“, „die sich aus Schuldgefühlen, Ressentiment oder Mitleid speist“ (Ebd.:102) ohne auf Augenhöhe zu gehen. Hanke (2017: 50-51) verweist dagegen auf eine gewisse Furcht vor der möglichen Rache, sollten sich die Sklaven selbst befreien.

Unabhängig von der Frage, ob die Bemühungen der französischen Abolitionisten authentisch oder paternalistisch waren, zeigt die farbige Kolonistenlobby aber auch den zwischen Farbigen und Schwarzen verbreiteten Rassismus. „Derart verachtet war die schwarze Haut, daß sich sogar ein Mulatte, der Sklave war, den freien Schwarzen, von denen es verhältnismäßig wenige gab, überle­gen dünkte. Ein Mulatte hätte sich eher getötet, als daß er der Sklave eines Schwarzen geworden wäre.“ (James 1984: 45) Wie sehr sich die Farbigen von der schwarzen Seite ihrer Herkunft entfer­nen wollten, zeigt etwa folgendes Beispiel. Nachdem ein Anwalt einen farbigen Klienten gerichtlich zum Nachfahren karibischer Ureinwohner statt schwarzer Sklaven erklären lassen konnte, wurde sein Büro geradezu von reichen hellhäutigen Farbigen belagert, die das gleiche forderten (Ebd.: 53-54).

Allgemein verachtet, ausgebeutet, unterdrückt und oft auch gefoltert schienen auch viele Sklaven ihrem eigenen Leben einen geringen Stellenwert beizumessen. So waren neben alltäglicheren For­men des Widerstands wie Bummelstreiks, Sabotage oder absichtlicher Vortäuschung von Schwach­sinnigkeit zwei der verbreitetsten Widerstandsformen Abtreibung und Selbstmord, um den eigenen Kindern und sich das Leid zu ersparen, sowie um den Herren Arbeitskraft zu rauben (Ebd.: 19, 22). Immerhin galt der Tod nicht nur als Freiheit, sondern auch als Rückkehr nach Afrika (Ebd.: 22). Ei­nige weniger Lebensmüde wurden zu MeisterInnen des Giftmords um ihre Position zu verbessern oder Rache zu üben (Ebd.: 22-23). Wieder andere entliefen in die Wälder, um die anfangs von Abbé Raynal erwähnten Maroon-Dörfer zu gründen (Ebd.: 27-30). Trotz gelegentlicher Aufstände gab es vor der großen Revolution auf San Domingo aber keine Tradition der Sklavenrevolten wie etwa auf Jamaika (Hanke 2017: 37).4

Aus allen Teilen Afrikas zusammengeraubt, ohne gemeinsame Sprache und Kultur wurde die eini­gende Ideologie trotz Zwangstaufe die synkretistische Vodoo-Religion (Ebd.: 64-70). Unter dem Schutz eines als scheinbar harmlos geduldeten psychischen Ventils bildete sich eine weitverzweigte Geheimgesellschaft. Ebenso wie bei den Praktiken der Abtreibung und des Giftmords spielten hier Frauen eine entscheidende Rolle als Vodoo-Priesterinnen. Die zweite Säule der großen Aufstandes bildeten Teile der Sklavenelite, vor allem Kutscher, die sich relativ frei bewegen konnten und das Kommunikationsnetzwerk bildeten (Ebd.: 68-69). Da ein großer Teil der direkt aus Afrika stam­menden Sklaven aus Kriegsgefangenen bestand, die von siegreichen Stämmen an Europäer verkauft wurden, gab es unter ihnen auch viele Krieger. Neben der Organisation durch Priesterinnen und Kutscher stellten die oben beschriebene Todesverachtung und die Kampfkraft der Krieger die Fak­toren dar, die den Aufstand in den ersten Monaten tragen sollten. Eine Mischung aus Sturmangriffen kaum bewaffneter Sklaven und von den Maroons erlernten Guerilla-Taktiken sollten sich europäi­schem Drill und überlegener Bewaffnung ebenbürtig zeigen.

Schließlich sollte ironischerweise den Aufständischen bei ihrer Vorbereitung der Rassismus ihrer Herren einmal zugutekommen. Als eine Zelle aufflog und unter Folter gestand, nahmen diese einfach nicht ernst, dass Schwarze einen derart weiträumig koordinierten Aufstand überhaupt pla­nen könnten (Ebd.: 71). Stattdessen verdächtigten sie zu Unrecht die Farbigen als Anstifter, ver­schärften deren Reiseverbote (Ebd.: 70), und sollten diese noch, als die Revolte schon tobte, lieber in den Städten lynchen, als entschlossen gegen die Aufständischen auf dem Land vorzugehen (Ebd.: 83).

Zwar hatten die Sklaven mit der oben beschriebenen Societé des Amis des Noirs eine Art Interes­senvertretung, standen mit dieser aber nicht in Kommunikation.

Die Revolution in Haiti

Das große Chaos

Die Revolution sollte San Domingo mit der 1789 verkündeten Déclaration des droits de l‘homme et du citoyen (Nationalversammlung 1789), der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte erreichen. Wie verschieden diese aber von den unterschiedlichen Klassen aufgefasst wurde, zeigt, wie chao­tisch die erste Phase der Revolution verlaufen sollte. Ihre knappe Schilderung hier beschränkt sich notwendig auf eine grobe Skizze der Ereignisse, da jede Klasse in zahlreiche Fraktionen gespalten war und sowohl Klassen als auch Fraktionen in einem stetigen Wechselspielen aus Verrat und neuen Bündniswechseln gefangen waren.

Die großen Weißen sollten durch die Déclaration vor allem ihr Recht auf Eigentum (Ebd.: §2, §17) gestärkt sehen. Sie fürchteten aber, dass ihr lebendes Eigentum selber Rechte einfordern könnte und waren der Revolution generell abgeneigt. Zuvor hatten sie nach dem größtmöglichen Vorteil aus den anstehenden Veränderungen gesucht. Als etwa die Kolonie erstmals eigene Deputierte zur Mit­bestimmung nach Frankreich senden sollte, waren die besitzlosen petits blancs nach dem Zen­zuswahlrecht der frühen Republik ohnehin ausgeschlossen. Während die freien Farbigen eigene Ab­geordnete forderten, wollten die grands blancs sie ebenfalls ausschließen.5 Zugleich verlangten sie entsprechend der Bevölkerungszahl achtzehn Sitze. Dem hielt Mirabeu als Mitglied der Freunde der Schwarzen aber entgegen: „Sie fordern im Verhältnis zur Bevölkerungszahl vertreten zu sein. Die freien Schwarzen sind Besitzer und Steuerzahler, und dennoch erlaubt man ihnen nicht zu wählen; und was die Sklaven betrifft, so sind das entweder Menschen, oder sie sind es nicht. Wenn die Kolo­nisten sie als Menschen betrachten, sollen sie sie freisetzen, ihnen das Stimmrecht geben und sie für die entsprechenden Sitze wählen lassen. Falls aber das Gegenteil der Fall sein sollte – haben wir etwa, als wir die Deputierten ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl Frankreichs setzten, die Zahl un­serer Pferde und Maulesel einkalkuliert?“ (Zit. n.: James 1984: 74) Da die Kolonisten dazu nicht bereit waren, bekamen sie sechs Sitze. Spätestens nach solchen Konflikten sollten sie zur royalis­tischen Konterrevolution und ab 1793 zum Bündnis mit den einfallenden Briten und Spaniern ten­dieren. Doch auch diese Bündnisse sollten ihnen keine Sicherheit garantieren. So luden etwa die Spanier rund achthundert geflohene Franzosen wieder in eine eroberte Stadt ein, feierten mit ihnen einen Gottesdienst und ermordeten sie anschließend, um nach dem erwarteten Sieg deren Eigentum einheimsen zu können (Ebd.: 171-172).

Die kleinen Weißen sollten die Revolution enthusiastisch begrüßen. Allerdings verstanden sie diese eher als antikoloniale Revolution gegen die Bevormundung durch die Metropole. Nannten sie sich Patrioten, bezogen sie sich also mehr auf die amerikanische Revolution und wollten ein unabhängi­ges San Domingo, in dem die Sozialstruktur allenfalls dahingehend geändert werden sollte, dass sie selbst Gewinne gegenüber den großen Weißen und freien Farbigen machten (Ebd: 80). Gegen Ende der ersten Phase sollten sie den Großteil der Kolonie beherrschen, sodass sich Plantagenbesitzer und freie Farbige mitsamt einigen ihnen treuen schwarzen Truppen gegen sie verbündeten (Ebd.: 127).

Die freien Farbigen waren ebenfalls begeisterte Republikaner. Nicht nur begrüßten sie wie die grand blancs die Eigentumsrechte, sondern auch das Herzstück der Déclaration: „Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.“ (Nationalversammlung 1789: §1) Dies legten sie im Sinne ihrer Gleichberechtigung, aber zumindest anfangs nicht der der Sklaven aus. In Paris war dies aber umstritten. Mit wechselnden Mehrheiten in der Nationalversammlung wurde erst ei­nem Teil der freien Farbigen das Bürgerrecht gewährt (Hanke 2017: 62), dann wieder entzogen und schließlich allen zugestanden, was auch von Revolutionstruppen gegen die weißen Kolonisten durchgesetzt werden sollte (Ebd.: 84) Frustriert von solcher Wankelmütigkeit waren es einige freie Farbige, die mit einem erfolglosen Angriff auf die Stadt Cap Francais 1791 die Kämpfe beginnen sollten (Ebd. 58-60). Immer wieder gründeten sie eigene Machtbereiche unter ihrer eigenen Herr­schaft. Erst die vom freien Farbigen Rigaud regierte Südprovinz sollte dabei zwar nicht ohne Be­nachteiligung der anderen Bevölkerungsgruppen, aber ohne Sklaverei auskommen (James 1984: 204) und sich mit der allgemeinen Revolution und Toussaint L‘Ouverture verbünden (Ebd.: 209).

Der große Aufstand der Sklaven, angestachelt von den Kämpfen zwischen ihren Herren, war bemer­kenswert gut vorbereitet und koordiniert. Statt an konkreten Zielvorstellungen war er aber wohl eher an einem unmittelbaren Aufschrei gegen die Sklaverei orientiert. Und das unmittelbare Zei­chen dieser Sklaverei waren die Plantagen: „Nach wenigen Tagen war eine Hälfte der berühmten Nordebene in flammende Ruinen verwandelt, der Horizont von Le Cap aus eine geschlossene Feuersbrunst. Unablässig quollen dicke schwarze Rauchwolken, durch die einzelne Flammen bis zum Himmel aufzüngelten. Fast drei Wochen lang konnten die Leute in Le Cap die Nacht kaum vom Tag unterscheiden, während ein Regen aus brennenden Zuckerrohr­stücken, vom Wind wie Schneeflocken gepeitscht, über die Stadt und den Hafen trieb und Häuser und Schiffe zu vernichten drohte.“ (Ebd.: 104) Die Frage der dabei angewandten Gewalt ist um­stritten. So schildert James (Ebd.: 105-106) durchaus Szenen einer grausamen Rache. Doch zum einen habe diese Gewalt nachgelassen, je länger der Aufstand währte. Zum anderen hätten die Auf­ständischen selbst zu Beginn auf die grausamsten Folter- und Hinrichtungsmethoden verzichtet, die ihre Herren an ihnen verübt hatten: etwa das Einschmieren mit Zuckersaft, um das Opfer von Insek­ten fressen zu lassen oder die Sprengung durch eingeführtes Schießpulver. Einig ist er sich dabei mit Hanke (2017: 72) darin, dass die Gewalt der Aufständischen maßlos überbetont wurde, um sie zu denunzieren. Doch Hanke geht von einer sehr viel gezielteren Gewaltanwendung aus. So seien vor allem solche Kolonisten zum Ziel geworden, die sich zuvor als besonders grausam gezeigt hat­ten, während andere verschont worden wären. Zugleich wären auch Wortführer solcher Sklaven, die sich dem Aufstand bei der Einkreisung Le Caps nicht anschließen wollten, getötet worden.

Auch inwiefern die Aufständischen von der Déclaration beeinflusst waren, ist umstritten. Zwar be­gann eine Art französischer, säkularer und revolutionärer Wanderprediger durchs Land zu ziehen, die von den Kolonialherren verfolgt wurden (Ebd.: 70). Zwar hatten die Amis des Noirs tausende Exemplare der Déclaration in die Kolonien gesandt, von denen auch einige bei Aufständischen ge­funden wurden, die erklärten „dass sie die Freiheit genießen wollen, die ihnen durch die Menschen­rechte gewährt seien“ (Ebd.: 77). Doch nicht nur sind kaum Quellen der Aufständischen erhalten (Ebd.: 76), von denen die meisten unbestimmt ein Ende der Sklaverei und eine vage interne Solida­rität bekunden6 (Ebd.). Auch vermengten sich revolutionäre Ideen mit afrikanischen zu kreolischen Schlagwörtern wie „Tou moun se moun“, also in etwa „Alle Menschen sind Menschen“, aber auch: „Ein Mensch ist ein Mensch durch andere Menschen“ (Ebd.: 77) Sogar ein lange Zeit als authen­tisch eingestufter Brief, der sich explizit auf die französische Revolution als Vorbild bezog und die Déclaration als allgemein verbreitete Grundlage darstellt, war wohl eine Fälschung. Er wurde aber gerade von einem Reaktionär gefälscht und verbreitet, um die allgemeinen Menschenrechte im Mutterland als Quelle von Chaos zu diffamieren (Ebd.: 77-80). Auch war vielen Aufständischen die Revolution suspekt, weil die kleinen Weißen und freien Farbigen sich ihrer Rhetorik so sehr bedien­ten. Außerdem ging das falsche Gerücht um, der König habe die Menschenrechte verkündet. Zudem wählten viele aufständische Gruppen selber Könige und Königinnen (Ebd.: 100).

Nach ihren Anfangserfolgen zogen sich die Aufständischen meist in die Berge zurück und als sie mehr und mehr bedrängt wurden, schlossen die meisten Gruppen ein loses Bündnis mit der spani­schen Krone, die nach Wegen suchte, dem revolutionären Frankreich zu schaden. In dieser Phase sollte Toussaint L‘Ouverture7 zu einem der erfolgreichsten Kommandanten aufsteigen. Ein Faktor seines Erfolges war dabei seine erstaunliche Milde und sein Integrationswille. Er hatte vergleichs­weise Glück mit seinen ehemaligen Herren gehabt, die ihm Bildung erlaubten und ihn (aber nicht seine Familie) später befreiten. Am Beginn der Revolution hatte er sich sehr zurückgehalten, und sollte seine ehemaligen Herren noch in deren Exil finanziell unterstützen, aber aufgrund der Gesetze gegen Emigranten nicht zurückholen (James1984: 210). Die erste Erwähnung während der Revolu­tion findet er, als er noch als Adjutant eines anderen Heerführers, diesen davon abhält, weiße Gefan­gene zu töten, nachdem Kolonisten einen verabredeten Gefangenenaustausch platzen ließen, in dem der Heerführer seine Frau wieder bekommen hätte (Ebd.: 124-125). Als Kommandant einer eigenen Armee fiel Toussaint nicht nur dadurch auf, dass er, anders als viele seiner Kollegen nicht einzelne Schwarze wieder in die Sklaverei verkaufte, um die Kriegskasse aufzubessern (Hanke 2017: 121-122). Gefangene und selbst übergelaufene royalistische Offiziere integrierte er in seine Armee, um aus europäischem Drill und den eigenen Guerilla-Taktiken eine neue und schlagkräftige Armee zu schmieden (Ebd.: 148). Durch den Ruf dieser Milde wurden darüber hinaus immer wieder Feinde ermutigt, aufzugeben oder gar überzulaufen (Ebd.: 150-151). Bald sollte das Heer viertausend Kämpfer zählen: „Schwarze, Mulatten, Weiße, ehemalige Offiziere des Ancien régime und frühere Republikaner“ (Ebd.). Zudem unterhielt L‘Ouverture regen Briefkontakt nicht nur zu seinen spani­schen Vorgesetzten, sondern auch mit französischen Offiziellen, um stets auszuloten, wo als Gegen­leistung für die Kampfkraft seiner Armee das Ende der Sklaverei am ehesten möglich schien (Ebd.: 143).

Die große Revolution

Die zweite Phase der Revolution begann, neben dem Aufstieg Toussaints, mit der Ankunft des neu­en Gouverneurs Laveux (einem Adeligen) und der zweiten französischen Zivilkommision, vor al­lem des Kommissars Sonthonax. Trotz anfänglicher Differenzen wurden diese zu einer Art Triumvi­rat, dass die Revolution zusammenführen und an einer neuen Gesellschaftsordnung arbeiten sollte. Laveux und Sonthonax begannen als gemäßigte Revolutionäre, entwickelten sich aber im Rahmen der Revolution zu entschiedenen Verbündeten der Sklavenrevolution, wobei Sonthonax mutmaßlich bereits zuvor abolitionistische Sympathien hegte (Hanke 2017: 93, 102-103). Dennoch war der Auf­trag der Zivilkommission eindeutig: Sie sollten die 1792 endgültig beschlossene Gleichberechti­gung der freien Farbigen durchsetzen und die Aufstände auf San Domingo beenden, einschließlich des Sklavenaufstandes. Dementsprechend verkündete Sonthonax unmittelbar nach seiner Ankunft: „Von diesem Zeitpunkt an kennen wir nur noch zwei Klassen von Menschen in dem französischen Teil von Saint-Domingue: Freie ohne jeglichen Unterschied der Hautfarbe und Sklaven.“ (Zit. n.: Dubois 2005: 143-144) Dies würde er auch durch die sechstausend der Kommission angeschlosse­nen Soldaten und Nationalgardisten durchsetzen lassen. Doch nicht nur mussten sie dies in einem immer enger werdenden Bündnis mit den freien Farbigen gegen große wie kleine Weiße durchset­zen. Nicht nur mussten sie erfolgreiche, aber in den Bergen stecken bleibende Expeditionen gegen die aufständischen Sklaven durchführen, die sie aufgrund des spanischen Bündnisses als Truppen des „Royalismus und seiner Agenten“ bezeichneten (Zit.n.: Hanke 2017: 96). Nur Monate nach der Ankunft der Kommission überschlugen sich die Ereignisse in Frankreich. Nach dem Verrat der kö­niglichen Familie an Frankreich und ihrem misslungenen Fluchtversuch aus Frankreich, sowie de­ren darauf folgender Exekution befand sich Frankreich 1793 mit ganz Europa im Krieg. Als die Nachricht San Domingo erreicht, bricht ein Bürgerkrieg innerhalb der Kommissionstruppen aus, wobei sich die freien Farbigen an den republikanischen Sonthonax und seine Kampfaufrufe gegen die „Aristokratie der Hautfarbe“ hielten (James 1984: 140). Zugleich bedeutete der europäische Krieg die Invasion durch britische und spanische Truppen. Da in den Kolonien Martinique und Guadeloupe royalistische Aufstände die Republik vertrieben (Hanke 2017: 94), war die gesamte Präsenz Frankreichs in der Karibik in Gefahr. In dieser verzweifelten Situation griff Sonthonax zu radikalen Mitteln. Zuerst versprach er aufständischen Sklaven, die für die Republik kämpfen wür­den, Amnestie und Freiheit, eine „Abolition durch die Hintertür“ (Gliech 2011: 416). Dann erklärte er unter dem Eindruck einer Sklavendemonstration und der davon etwas eingeschüchterten Com­mune von Le Cap die Sklaverei auf San Domingo eigenmächtig für beendet. Alle Sklaven seien nun nouveaux libres, neue Freie (Hanke 2017: 101-103). Dubois (2005: 154-55) betont die Radikalität dieser Entscheidung, die der politischen Entscheidungsfindung der Republik entgegenstand.

Doch die Umgehung des Parlaments sollte nicht geahndet werden. Durch den Krieg war auch die französische Revolution in eine neue Phase eingetreten. Zum einen brachte die Abwehrschlacht ge­gen die vereinigten europäischen Monarchien die linken Jakobiner an die Macht (Hanke 2017: 92). Zum anderen entbrannten die Massen vor revolutionärem Furor. Waren sie 1789 der Kolonialfrage gegenüber gleichgültig gewesen, „verabscheuten sie [nun] keine Aristokraten so sehr wie jene, die sie ‚die Aristokraten der Hautfarbe‘ nannten.“ (James 1984: 137-138) Ein verzweifelter Agent der Kolonisten in Frankreich schrieb nach Hause: „Hier herrscht nur ein Geist, Abscheu vor der Sklave­rei und Begeisterung für die Freiheit. Es ist ein Taumel, der alle Köpfe ergreift und jeden Tag stär­ker wird.“ (Zit. n.: Ebd.) Folgendes Beispiel kann den neuen Geist wohl gut verdeutlichen: Die Be­deutung der Kolonialwaren, v.a. Zucker und Kaffee hatte bereits so einen Stand erreicht, dass im Ja­nuar 1791 eine Art Zuckerrevolte ausbrach. Noch vor Preiskontrollen für Grundnahrungsmittel for­derten die Revoltierenden Preiskontrollen für das weiße Gold (Gliech 2011: 377). „Selbst Robespi­erre, der allen Luxus verschmähte, erklärte im Juli 1793 den Zucker und Kaffee […] zum Grund­nahrungsmittel.“ (Ebd.) Es ist umso bemerkenswerter, dass nun viele „Diener, Bauern, Arbeiter, die Tagelöhner auf den Feldern […] keinen Kaffee mehr tranken, weil sie das Gefühl hatten, daß er vom Blut und Schweiß der zu Tieren degradierten Menschen durchtränkt wäre.“ (James 1984: 159).

In diesem Klima erreichte im Januar 1794, dem Jahr II des revolutionären Kalenders, eine dreiköp­fige Delegation aus einem schwarzen Sklaven, der sich frei gekauft hatte, einem freien Farbigen und einem Weißen Paris. Unter tosendem Applaus und Ehrbekundungen sollten sie im Convent, dem ersten ohne Zensuswahlrecht gewählten französischen Parlament, das Ende der Sklaverei auf Haiti und die Ratifizierung der Beschlüsse der Zivilkommission fordern (Ebd: 159-162). Ohne Ge­genstimme erhielten sie, trotz heftiger Proteste der Koloniallobby, noch mehr als gefordert, da im Gesetzestext der „Convent erklärt, dass die Sklaverei im gesamten [!] Territorium der Republik ab­geschafft ist; in Folge genießen alle Menschen ohne die Ansehung der Hautfarbe die Rechte der französischen Bürger.“ (Zit.n.: Hanke 2017: 116) Damit hatte die französische Revolution in Fragen der juristischen Gleichberechtigung ihren Abschluss gefunden. 1789 hatten Protestanten dies erlebt, 1791 Juden und in Frankreich allenfalls als osmanische Händler und Gesandte anwesende Muslime (Ebd.: 21), 1792 freie Farbige, nun auch die ehemaligen Sklaven8. Hanke weist zwar zu Recht dar­auf hin, dass dies lediglich die nachholende Legitimation der Selbstbefreiung war9 (Ebd.: 116), doch war es genau dies, was die Revolution in San Domingo brauchte.

Noch hatten sich kaum aufständische Sklaven aufgrund der eigenmächtigen Beschlüsse von Sonthonax der Republik angeschlossen, auch nicht die Armee Toussaints. Doch als ihm Gouverneur Laveux von der offiziellen Ratifizierung schreiben konnte, trat die Armee in den Dienst der Repu­blik – „französische Soldaten, ehemalige Sklaven, und alle Offiziere, die schwarzhäutigen wie die Royalisten, die desertiert waren, um sich ihm anzuschließen.“ (James 1984: 164) Die anderen Heer­führer forderte Toussaint auf, es gleichzutun. Es seien immer die Könige gewesen, welche in Afrika und anschließend in den Kolonien die Menschen versklavt hätten. Nun habe er sich seine Freiheit erkämpft, sei aber nicht mehr der „Vasall eines Königs“ (Zit.n.: Hanke 2017: 121). Einige liefen über, andere erst, nachdem die revolutionären Truppen sie und ihre spanischen Herren geschlagen hatten. 1795 war Spanien sowohl in der Karibik als auch in Europa besiegt. Der östliche Teil der In­sel wurde formal französisch, de facto blieben die spanischen Kolonialherren aber vorerst unangetastet. Spätestens jetzt standen alle Gruppen des Sklavenaufstandes im Bund mit der Revolution (Ebd.: 122).

Die britische Invasion war schwerer abzuwehren. Die Vorherrschaft der britischen Flotte verhinder­te Verstärkung aus Frankreich und stellte den eigenen Nachschub sicher (James 1984: 165). 1794 sollte die Krone zu einer allgemeinen Invasion der französischen Karibik ansetzen, die laut dem Gouverneur Jamaikas „alle Menschen von Besitz“ begrüßen würden (Zit. n. Ebd.: 155). Doch die Revolutionstruppen, welche größtenteils bis vor kurzem Sklaven waren, bereitete ihr „die schlimmste Niederlage, die ein britisches Expeditionsheer zwischen den Tagen der Königin Eliz­abeth und dem ersten Weltkrieg je erlitten hat.“ (Ebd.: 165) Gelbfieber und Revolutionstruppen wü­teten unter den Briten, „aber immer wieder traf Ersatz ein, und das Geld floß in Strömen“ (Ebd.: 184). Auch versuchte London immer wieder, Gruppen auf San Domingo durch bessere Versorgung und Bezahlung zum Überlaufen zu bewegen. Doch: „Alles, was sie zu bieten hatten, war Geld, und es gibt Perioden in der Menschheitsgeschichte, da Geld nicht ausreicht.“ (Ebd.: 176) Mochte es auch vereinzelt zum Verrat kommen, ab dem allgemeinen Verbot der Sklaverei war die Moral auf San Domingo unübertroffen. Auch in diesem Krieg zeigte der Mangel an Plünderungen und Vergel­tung, dass die revolutionäre Armee San Domingos zivilisatorisch sowohl über den frühen Aufstän­dischen, als auch den europäischen Armeen stand10.

Zwar sollte es bis zur endgültigen Vertreibung der Invasoren noch bis 1798 dauern, aber in der Zwi­schenzeit begann schon wieder der Aufbau des verwüsteten Landes. Die Städte wurden neu errichtet (Ebd.: 210), ebenso Verwaltung und Justiz. Ein besonderes Augenmerk galt der Alphabetisierung. Ein für die Zeit außergewöhnliches Schulsystem wurde eingerichtet, dessen Lehrplan auch die für französischen Republikaner so wichtigen griechischen und römischen Klassiker enthielt. Besonders begabte Söhne oder Söhne besonders wichtiger Schwarzer und Farbiger wurden auf einer besonde­ren Akademie in Frankreich ausgebildet. Die Ämtervergabe wurde an elementare Schriftkenntnisse gebunden, um auch Erwachsene zu motivieren (Ebd.: 197-198). Das zweite besondere Augenmerk galt der Landwirtschaft. Hier sollte sich aber auch zeigen, dass es sich nicht um eine soziale Revo­lution handelte. Schon zu Zeiten der Kommission entstanden Arbeitskämpfe der nun freien Lohnar­beiterInnen, welche sich vor allem um mehr Freizeit, konkret zwei freie Tage pro Woche, und eige­ne Landparzellen drehten (Hanke 2017: 104-108). Speziell Frauen, die besonders unter ihren Be­sitzern zu leiden gehabt hatten und auch weniger Lohn erhalten sollten, wollten nicht ohne weiteres auf die Plantagen zurückkehren (Ebd.: 106-107). Wie die Kommission bestand aber auch Toussaint auf dem Wiederaufbau der Plantagenwirtschaft. Hatte die Kommission wirtschaftsliberal mit den Rechten der Eigentümer argumentiert (Ebd.: 105), verkündete Toussaint: „Eine blühende Landwirt­schaft ist die Garantie für die Freiheit der Schwarzen“ (Zit.n. James 1984: 210). Eine Flut an Aufru­fen zu Arbeit und Disziplin rief die Arbeiter wieder auf die Plantagen, wo diese zeigen sollten, „dass Land, welches von freien Arbeitern kultiviert wird, so ergiebig sein könne, wie welches, das von Sklaven bestellt wird.“11 (Zit. n. Hanke 2017: 125) Toussaint hatte stärker die Herausforderungen vor Augen, die internationale Politik und Wirtschaft San Domingo aufbürdeten. Doch ist es trotz­dem bezeichnend, dass neben Propaganda auch Zwang angewandt wurde und die ArbeiterInnen per Dekret an Plantagen gebunden wurden (Ebd.: 124). Dies war keine Sklaverei. Die Arbeit wurde be­zahlt, die Folter und Prügelstrafen abgeschafft, die ständige Zerstückelung von Familien und Freundschaften durch Verkauf etc. unterbunden. Aber es erinnerte etwas an die in Frankreich gerade überwundene Leibeigenschaft.

Dies sollte zum Ende der großen Revolution führen: Die Reaktion in Frankreich und die aus Furcht vor dieser befeuerten autokratischen Tendenzen, welche gerade angedeutet wurden. Fischer (2005: 263) argumentiert etwa, dass die Haiti von außen aufgezwungene Notwendigkeit, Fragen der Haut­farbe in den Vordergrund zu rücken, den Fortschritt von Freiheit und Gleichheit blockierte. Dies scheint plausibel, erklärte doch Toussaint, als er dreißigtausend in den USA gekaufte Gewehre – ein gutes Beispiel, wofür die Agrarexporte benötigt wurden – an die schwarzen Arbeiter austeilte: „Hier ist eure Freiheit!“ (Zit. n. James 1984: 299)

Der große Verrat

In der Zwischenzeit war die radikalste Phase der Revolution in Frankreich ausgebrannt. Die Härte und Massenmobilisierung der Jakobiner hatten ihren Teil dazu beigetragen, die Republik vor den Invasoren zu retten.12 Doch nach den jakobinischen Siegen geriet der Terror schnell in allgemeinen Verruf. Dazu kam, dass auch Robespierre die neuen sozialrevolutionären Ambitionen der unteren Klassen fürchtete und mehr ArbeiterInnen als Aristokraten auf der Guillotine landeten. Als die Jako­biner schließlich entmachtet wurden, hatten sie ihre eigene Basis demobilisiert (Ebd.: 199-200). Das nun an die Macht kommende Direktorium sollte aber nicht nur in Frankreich revolutionäre Errun­genschaften zurückdrehen, etwa das Wahlrecht wieder an Besitz binden. Unter dem Einfluss der Koloniallobby sollte etwa auch 1798 ein neues Gesetz die Bürgerrechte von in Afrika und Amerika geborenen Schwarzen und Farbigen annullieren, die sie nun individuell beantragen mussten (Han­ke 2017: 122-123). Von einer militärischen Wiedereinführung der Sklaverei hielten die Reaktion aber noch einige Punkte ab. Deren Abschaffung war einer der stolzesten Momente der Revolution und Toussaints Siege über die Briten riefen in Frankreich nach wie vor Begeisterung hervor (James 1984: 307, 217). Neben der haitianischen Armee verhinderte außerdem auch die britische Flotte, so­lange sie mit Frankreich im Krieg lag, eine französische Invasion Haitis. Auch durch die Siege der Sklavenrevolution konnte der inzwischen an die Macht gekommene Napoleon 1801 aber mit Groß­britannien Frieden schließen. Die Invasion San Domingos erfolgte umgehend. Möglicherweise hatte Napoleon persönliche Probleme mit Nichtweißen. So soll er etwa den farbigen französischen Gene­ral Dumas abschätzig behandelt haben (James 1984: 307). Mindestens ebenso wirkmächtig dürften aber wirtschaftliche Interessen gewesen seien, zumal sich nationale und familiäre Wirtschaftsinter­essen überschnitten, da Napoleons Frau Josephine aus einer reichen Pflanzerfamilie stammte, die durch die Revolution Teile ihres Besitzes eingebüßt hatte (Hanke 2017: 36). Daher scheint Napoleons eigene Begründung für die Invasion plausibler: „Ohne dies können wir nichts mehr tun und eine große und wunderbare Kolonie wird für immer ein Vulkan bleiben und den Kapitalisten, Kolonisten und den Kaufleuten kein Vertrauen mehr schenken.“ (Zit.n. Dubois 2005: 255) Auch war schon vor der Invasion San Domingo unter Napoleon nicht mehr im französischen Parlament vertreten und nebulöse „Sondergesetze“ wurden angekündigt (James 1984: 264). Die Lage lässt sich zusammenfassen: „Der leidenschaftliche Wunsch, die gesamte Menschheit zu befreien, ein Bestreben, das während der großen Zeit der Re­volution den Ruf nach einer Befreiung der Neger erschallen ließ, war, erschöpft durch gewaltige Anstrengungen und terrorisiert durch Bonapartes Bajonette und Fouchés Polizei, in die Elendsvier­tel von Paris und Marseilles verdrängt.“ (James 1984: 307)

Fast alle fragwürdigen (und auch einige positive) Richtungsentscheidungen der Revolution auf Hai­ti lassen sich zumindest teilweise mit der Antizipation dieses Verrats erklären. Gerade Toussaint schien seine Politik schon länger auf Verhinderung oder schließlich Abwehr einer kommenden Inva­sion auszurichten. Zwar sollte er dabei nicht zu Mitteln greifen, deren Vorschlag er Sonthonax zu­mindest unterstellte. Dieser soll, obwohl selbst weiß, von Toussaint gefordert haben, den Großteil der verbliebenen Weißen als Konterrevolutionäre zu ermorden und die Unabhängigkeit zu erklären (Ebd.: 212). Aber als die Niederlage Großbritanniens abzusehen war, scheinen Toussaints letzte Feldzüge eher vorbeugenden Charakter gehabt zu haben. Die Unterwerfung der von freien Farbigen dominierten Südprovinz unter dem bisherigen Verbündeten Rigaud sollte ein unsicheres Gebiet un­ter Kontrolle bringen, um jegliche Landung zu verhindern (Ebd.: 255), obwohl die besten Bedin­gungen für Einheit zwischen Schwarzen und Farbigen während des Bündnisses zwischen Toussaint und Rigaud bestand (Ebd.: 266). Ebenso verfolgte Toussaint bei der von Napoleon untersagten An­nektion des seit 1795 offiziell französischen Spanisch-San-Domingos diese strategischen Überle­gungen, obwohl die schwarze Öffentlichkeit dies aus Perspektive der Sklavenbefreiung befürworte­te (Ebd.: 269-270). Auch die ständige Diplomatie, der Schutz der Weißen und das Bestehen auf landwirtschaftlicher Effektivität lassen sich als vorbeugende Maßnahmen gegen eine mögliche In­vasion lesen. Dies wirft ein interessantes Zwielicht auf die beiden größten Ausnahmen zu Tous­saints üblicher Milde und Integration. Zum einen säuberte er Rigauds Armee, um deren Verlässlich­keit sicherzustellen (Ebd.: 268). Zum anderen ging er 1801 ungewöhnlich hart gegen einen Auf­stand schwarzer ArbeiterInnen vor, der sich gegen das neue Arbeitsregime richtete, aber, u.a. da die meisten Plantagenbesitzer nach wie vor Weiße waren, auch unter der Parole „Tod allen Weißen“ ab­lief13 (Hanke 2017: 132-133). Andererseits bestand zwar ein Großteil von Toussaints Beraterstab aus Weißen, die Führungsposten in der Armee waren mittlerweile aber fast durchgehend von Schwarzen besetzt, die aus naheliegenden Gründen das größte Interesse hatten, eine Wiedereinfüh­rung der Sklaverei zu verhindern (James 1984: 284). Auch der immer autokratischer werdende Stil Toussaints lässt sich als Reaktion auf Napoleons Machtkonzentration in Frankreich lesen – militäri­scher Diktator gegen militärischen Diktator (Hanke 2017: 131-132).

All dies soll keineswegs heißen, dass es in San Domingo keine inneren Probleme gab. Der konsis­tenteste Kritikpunkt an Toussaint ist schon vor Direktorium und Napoleon dessen ständige Verwei­gerung, der Öffentlichkeit und selbst den Offizieren seine Politik zu erklären (James 1984: u.a. 272, 323). Gerade aus den Offizieren, die unverhältnismäßig viel Plantagenland pachteten, entstand eine neue herrschende, schwarze Klasse (Ebd.: 280). Den besten Überblick über die politische Lage vor der Invasion bietet vielleicht eine kurze Analyse der 1801 erlassenen Verfassung (Constitutional As­sembly 1801). Da noch vor der Invasion verabschiedet, definiert sich San Domingo als Territorium des französischen Empire (§1). Der einzigartige Vorteil dieser Konstitution im Vergleich zu allen Staaten dieser Zeit liegt im vollständigen Verbot der Sklaverei – alle Menschen sind „frei und fran­zösisch“ (§3) – und der Gleichstellung von Menschen jeder Hautfarbe14 (§4-5). Mit anderen Punk­ten, wie individuellen Rechten (§12-13) und dem Justizwesen (§42-47) kann zu dieser Zeit nur Frankreich mithalten. Der autokratische Charakter des neuen Staates (§27-41) – u.a. wird Toussaint zum Gouverneur auf Lebenszeit ernannt (§28) – spiegeln leider den Verlauf der Revolution in Frankreich und lassen sich zumindest teilweise aus der Mobilisierung gegen dessen Invasionspläne erklären. Dem entspricht auch die zentrale Rolle des Militärs (§52-56) und die Erhebung der Planta­genordnung in den Verfassungsrang (§14-17). Der einzige genuin haitianische Rückschritt hinter französische Errungenschaften stellt die Erklärung des Katholizismus zur Staatsreligion dar (§6), wobei die Kirche dem Staat untergeordnet ist (§8). Nicht nur steht dies im Widerspruch zur strengen Weltlichkeit der Republik und zeugt von der Autokratie des katholischen Toussaint. Es ist auch ein Schlag ins Gesicht der Massen an Voodo-Gläubigen. Neben Absichten, die Bevölkerungsverluste durch zehn Jahre Krieg auszugleichen, ist der Staatskatholizismus wohl auch der Grund für das Ver­bot der in Frankreich legalen Scheidung (§10).

Wie auch immer das Gesetz in San Domingo aussehen mochte, die Invasion kam. An der bislang größte europäische Übersee-Expedition nahmen zwanzigtausend Soldaten teil, darunter viele Vete­ranen der napoleonischen Armee, der besten Landarmee dieser Zeit (Hanke 2017: 136), von denen einige in der Aufstandsbekämpfung auch Anti-Guerilla Erfahrung gesammelt hatten (James 1984: 312). Den Befehl führte Napoleons Schwager Leqlerq. Die französischen Massaker sollten den Krieg zum Krieg um Unabhängigkeit werden lassen (Hanke 2017: 137), die anzustreben Toussaint immer vermieden hatte. Dem Angriff auf ihre Freiheit und Existenz setzten die Schwarzen und Far­bigen San Domingos eine Radikalisierung der Kriegsführung entgegen, die ihresgleichen nur mit den Kämpfen der Sowjetunion und der verschiedenen chinesischen Parteien im Zweiten Weltkrieg suchen kann. Sie verbrannten ihre eigenen Städte und zogen sich in die Berge zurück, um den Inva­soren die bewährte Guerilla-Strategie entgegenzusetzen (Ebd.) Nach dem Verlust von rund einem Drittel der Bevölkerung sollte dieser Krieg erst der blutigste werden. Zugleich sollte er das Ende der Bemühungen um Frieden zwischen den Hautfarben sein. „Für beinahe ein Jahrzehnt hatte ein fragi­ler Frieden zwischen weißen und schwarzen Soldaten existiert, welche Seite an Seite gedient hat­ten.“ (Dubois 2005: 270). Dies war nun vorbei. Zwar erkannte Leclerq, dass „Freiheit und Gleich­heit […] hier alle auf den Lippen“ führten und jede Erwähnung der einzuführenden Sklaverei gleichbedeutend mit der Niederlage sei (Zit. n. Ebd.:138). Doch in einem Bericht an Napoleon um­schrieb er auch den Horror seiner Strategie: „Es ist notwendig, alle Schwarzen in den Bergen zu vernichten, Männer und Frauen, nur Kinder unter zwölf sollen verschont werden. […] Ohne dies wird die Kolonie niemals friedlich werden.“ (Zit.n. Ebd: 139-140).

Trotz einer List, die zur Gefangennahme Toussaints führte (Ebd.), konnte San Domingo, im Bund mit dem Gelbfieber, Frankreich in einen Patt kämpfen, bis 1803 der erneute Krieg zwischen Frank­reich und Großbritannien jeden weiteren Nachschub für Lecleqs Expedition unterband. Die ver­bliebenen französischen Einheiten flüchteten in britische Kriegsgefangenschaft (Ebd.:143). Das Kommando hatte Toussaints Offizier Dessalines übernommen, der schon zuvor vergleichsweise weißenfeindlich eingestellt war, aber von seiner Frau und Toussaint gemäßigt worden war (James 1984: 290). Für diese Art von Krieg war er geeigneter als Toussaint: vergleichsweise ungebildet und undiplomatisch, brutal, aber ein genialer General (Ebd.) und fähig, Farbige und Schwarze im Kampf gegen die Weißen nationalistisch zu vereinen (Hanke 2017: 143). Nun kam es auch zu Massakern an Weißen (Ebd.: 144), und nach der Unabhängigkeitserklärung auch zum Befehl von Dessalines, alle verbliebenen Weißen umzubringen (Ebd.: 148). Kolonialistischer Propaganda über einen „weißen Genozid“ müssen allerdings einige Punkte entgegengehalten werden: a) Selbst Des­salines handelte in der Praxis die Evakuierung eines Großteils dieser Weißen nach Frankreich aus (Ebd.). b) Die genozidale Kriegsführung begann mit den Befehlen Leqlerqs. c) Die beste Garantie ihrer Sicherheit ließen die Weißen mit Toussaint im Kerker an einer Lungenentzündung verrecken (Ebd.: 140-141). d) Schließlich war die Kriegsführung doch nicht völlig schwarz-weiß. Ebenso wie die Franzosen einige haitianische Offiziere zum Verrat animieren konnten, lief eine ganze Reihe eu­ropäischer Soldaten auf die haitianische Seite über, deren Soldaten ebenso wie die französischen die Marseillaise sangen. Vor allem polnische und deutsche Soldaten, die sich aus revolutionärem Enthu­siasmus freiwillig gemeldet hatten, fühlten ihre Ideale verraten und wechselten die Seite (Dubois 2005: 273). Zwar stellte die Verfassung von 1805 klar: „Kein weißer Mann, ohne Ansehung seiner Nation, darf seinen Fuß auf dieses Gebiet als Herr oder Landbesitzer setzen, noch darf er irgendei­nen Besitz erwerben.“ (Zit.n. Hanke 2017: 147) Doch schränkte sie dieses zumindest ein, wie folgt: „Der vorangehende Artikel bezieht sich nicht auf weiße Frauen, welche die Regierung als haitiani­sche Bürgerinnen eingebürgert hat, und ihre Kinder, auch in der Zukunft. Dies betrifft auch die Deutschen und Polen, welche von der Regierung eingebürgert wurden.“ (Zit.n. Ebd.)

Außer der entschieden antifranzösischen Note gab es sonst in dieser Verfassung im Vergleich zu 1801 nicht viel Neues. Zwar wurde die Religionsfreiheit wieder hergestellt, ansonsten wurden nur die negativen Aspekte verschärft: mehr Militär, mehr Autokratie – statt zum Gouverneur auf Le­benszeit erklärte sich Dessalines wie auch Napoleon zum Kaiser –, mehr Betonung von Familie und Fortpflanzung, um die noch größeren Bevölkerungsverluste auszugleichen (Ebd.: 145-147). Kurz: Trotz allem war es immer noch eine der fortschrittlichsten Verfassungen ihrer Zeit. Doch der revo­lutionäre Funken war auch hier verflogen. Toussaint hatte noch die verschiedensten Pläne erwogen: eine Befreiung Jamaikas (James 1984: 269); Aufkauf von Sklaven, um diese zu befreien und die Bevölkerungsverluste auszugleichen; Unterbindung des Sklavenhandels durch die Eroberung West­afrikas (Ebd.: 301). Die Unabhängigkeitserklärung von 1804 hält dagegen fest „dass ein missionari­scher Eifer nicht unsere Arbeit zerstören solle; lasst unseren Nachbarn erlauben in Frieden zu at­men.“ (Dessalines 1804: 6) Vom neuen Kaiserreich Haiti sollte kein direkter Export der Revolution ausgehen – mit Einschränkungen.

Die Folgen der Revolution

Innenpolitisch sind die Folgen der Haitianischen Revolution eher bescheiden. Zwar stellte Haiti ent­gegen rassistischer, zeitgenössischer Vorstellungen ein funktionierendes Gemeinwesen dar, wie auch voreingenommene Reisende eingestehen mussten (Hanke 2017: 148-149). Prosperieren konnte es aber nicht. 1806 wurde Dessalines ermordet, was durchaus eine Präzedenz für die weitere Politik darstellte. 1820 zerbrach Haiti wieder in Ost und West (Ebd.). Insgesamt stimmt die postrevolutio­näre Geschichte eher depressiv (Vgl. Buch 2010; Munro 2008). Aus einer ganzen Reihe von Ursa­chen sei herausgegriffen, dass a) der Militarismus zwar in der Situation nachvollziehbar war, aber sowohl wirtschaftlich als auch politisch belastend wirkte, dass b) der neue Staat in einer Welt der Kolonial- und Sklavenhaltermächte vollständig isoliert war, Frankreich 1825 der ehemaligen Kolo­nie 150.000.000 Goldfrancs als „Reparationszahlung“ abpresste, und die USA gelegentlich Invasio­nen starteten, dass c) schließlich langfristig die schon zur Kolonialzeit begonnene Abholzung und Intensivierung der Landwirtschaft den Boden erodierte, sodass weite Teile der Insel landwirtschaft­lich nicht mehr nutzbar sind.

Umso bemerkenswerter ist die außenpolitische Strahlkraft der Revolution. Zwar gab es auch hier ei­nige negative Auswirkungen. So wurde die haitianische Tragödie von BefürworterInnen von Kolo­nialismus und Sklaverei weidlich ausgeschlachtet. Auch radikalisierte sich der Rassismus angegrif­fener Sklavenhalter als Reaktion auf den Aufstand. Bereits 1790 sollte der Chevalier de Beauvais als einer der Ersten eine „natürliche“ Unterscheidung zwischen Menschen verschiedener Hautfar­ben behaupten und so zu einem der Vordenker des pseudo-naturwissenschaftlichen Rassismus des 19. Jahrhunderts werden: „Die Natur hat verschiedene Arten von Menschen hervorgebracht, so wie sie verschiedene Arten von Tieren hervorgebracht hat“, wobei dunkelhäutige Menschen nicht viel besser als Affen seien (Zit.n. Hanke2017: 60).

Doch die positiven Auswirkungen überwiegen deutlich. Die Haitianische Revolution inspirierte nicht nur zahlreiche, wenn auch meist gescheiterte andere Sklavenrevolten, etwa in Curaçao (1795), Guyana (1795) und Virginia (1800) (Ebd.: 150). Besonders drei Auswirkungen gehören betont:

1) Der schwarze Staat sollte einen entscheidenden Faktor für die Herausbildung eines neuen schwarzen Selbstbewusstseins bilden. Als unter Pétion 1816 eine kleine Renaissance des revolutio­nären Universalismus einsetzte, gewährte Haiti allen Schwarzen Zuflucht und das Recht auf Ein­bürgerung (Hanke 2017: 147-148), wodurch besonders AfroamerikanerInnen Freiheit in Haiti such­ten und auch eine eigenständige Literatur entwickelten (Kreuzenheck 2014). Kamen sie zurück, hat­ten die „aus der Karibik stammenden Schwarzen […] einen beträchtlichen Anteil am schwarzen In­ternationalismus und am Anstieg des Radikalismus in den Vereinigten Staaten (Mbembe 2019: 57). Mbembe (Ebd.: 14-15) sieht die haitianische Unabhängigkeit als einen der zentralen Momente, die nach der Phase der Entrechtung und Brechung der Schwarzen eine neue Phase einläutet, in der diese „zum Schreiben finden, sich fortan in eigener Sprache auszudrücken vermögen, und den Status von vollständigen Subjekten der Menschenwelt einfordern.“ Auch James (1984: 175-176) hatte schon die Zerstörung des ihnen eingeprügelten Minderwertigkeitsgefühls in Haiti selbst betont.

2) Handfester sollte Pétions wieder gefundener Universalismus sich in der haitianischen Unterstüt­zung der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege (1813-1824) gegen die spanische Krone und den dafür gestellten Bedingungen zeigen (Anderson 2005: 55-71). Eigentlich entstammte der süda­merikanische Revolutionsführer Simón Bolívar derselben Pflanzerklasse, die in Haiti grand blancs hieß. Diese hatte sich zuvor energisch gegen gemäßigt aufklärerische Reformversuche der Sklaverei durch die Krone gewehrt, sodass zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges Schwarze überwiegend für die Krone kämpften. Doch als Bolívar 1816 Zuflucht in Haiti suchen musste, bekam er Unterstüt­zung nur für die Zusage, im unabhängigen Südamerika die Sklaverei abzuschaffen. Dies hielt er mit Abstrichen ein. Die Kinder von Sklaven wurden befreit, wurden so aber weiter als Kinder von Sklaven sozialisiert und erfuhren nicht unbedingt die psychologische (Selbst-)Befreiung (Ebd.: 57, 226).

3) Noch ein weiterer Schlag gegen die Sklavenwirtschaft lässt sich auf Haiti zurückführen. 1807 sollte Großbritannien den Sklavenhandel verbieten. Allerdings hätte es dies wohl nicht ohne die Sie­ge der HaitianerInnen getan. Auf der Diskursebene gilt zwar, dass die Revolution im negativen Sin­ne ausgeschlachtet wurde. Auf einer grundlegenderen Ebene entzog Haiti dem Empire aber schlichtweg den Boden für die Sklavenwirtschaft. Zwar hatte es, obwohl britische Kaufleute die er­folgreichsten Sklavenhändler waren, abolitionistische Strömungen in Großbritannien schon länger gegeben, als in Frankreich (James 1984: 65-66), zumeist aber nur randständig. Nachdem das Empi­re aber seine nordamerikanischen Kolonien verloren hatte, und der Rivale Frankreich über die beste Kolonie der Welt verfügte, mehrten sich solche Stimmen (Ebd.: 62), zumal die aufstrebenden Indus­triellen den Fokus auf Indien legen wollten, wo durch extrem niedrige Löhne die freie Lohnarbeit profitabler sein könnte, als die Sklaverei in Amerika (Ebd.: 64). Als es aber so aussah, als würde Großbritannien Frankreich San Domingo abnehmen, lag der diskutierte Abolition Bill wieder auf Eis, und ‚Kolonialexperten‘ stellten fest: „Die westindischen [=karibischen] Besitzungen Großbri­tanniens sind verhältnismäßig unzulänglich, winzig, weit verstreut und daher schlecht zu verteidi­gen.“ (Zit.n. Ebd.: 152-153) Doch: „Die Vorteile San Domingos für Großbritannien sind zahllos und würden ihm ein Monopol an Zucker, Indigo, Baumwolle und Kaffee verschaffen. Diese Insel würde der Industrie Hilfe und Stärke geben, die in allen Teilen des Imperiums höchst angenehm zu spüren wären. Sie würde jede Abwanderung von den drei Königreichen nach Amerika [=USA] verhindern“ (Zit.n. Ebd.: 152). Auch im Krieg konnte sich das Empire erst nach drei Jahren dazu durchringen, den freien Farbigen gleiche Rechte für Kollaboration anzubieten, was es allerdings nie auf schwarze Sklaven ausweitete (Ebd.: 226). Ganz im Gegenteil: Selbst schwarze Kriegshelden wie Jean Kina, der im Auftrag seines Herren Truppen gegen die aufständischen Sklaven geführt und dafür die indi­viduelle Freiheit erhalten hatte, versuchten sie wieder zu versklaven (Hanke 2017: 108-114). Doch San Domingo wurde nicht britisch, sondern 1804 zum unabhängigen Haiti. 1807 verbot Großbritannien den Sklavenhandel (die Sklaverei selbst aber erst 1833) und sollte im 19. Jahr­hundert erfolgreich seine indische Strategie verfolgen.

Wie viel Licht schufen also die paar Funken radikaler Aufklärung, als sie haitianische und französi­sche Revolutionäre in die ausufernde Dunkelheit der Geschichte warfen? Wie viel mehr Licht hät­ten sie schaffen können, wäre die Revolution nicht versandet? Allgemein ist kontrafaktische Ge­schichtsschreibung höchst spekulativ. Aber ein paar vage Überlegungen seien hier angestellt.

Die Niederlage fand zuerst in Frankreich statt. Das wahrscheinlichste Szenario für einen anderen Verlauf wäre anhand der Kräfteverhältnisse und ideologischen Ausrichtungen ein Sieg der noch em­bryonalen sozialrevolutionären Strömungen gewesen. Schon in Europa wären die Auswirkungen ei­ner wie auch immer sozialrevolutionär gearteten Republik kaum auszumalen. Hätte es dafür vor der industriellen Revolution überhaupt die Bedingungen gegeben? Immerhin meinten Marx und Engels, dass die „Entwicklung der Produktivkräfte […] auch deswegen eine absolut notwendige praktische Voraussetzung [ist], weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte“ (Marx Engels 1846: 34-35). Hätten sie aber bestanden, hätten die französischen Sozialrevolutionäre auch in der Karibik auf fragwürdigere Aspekte ihrer Verbündeten einwirken können, etwa auf die Plantagenordnung. Im Gegenzug wäre Haiti ein Bollwerk gegen den sich im realen 19. Jahrhundert entwickelnden biologistischen Rassismus und verwandte Ideologien wie den Imperialismus gewe­sen. Zudem wäre es schlicht nicht zu den Greueln und Zerstörungen der napoleonischen Invasion gekommen. Stattdessen hätte Haiti im Bündnis mit der französischen Großmacht eine ständige Be­drohung für die karibischen Sklavenhaltergesellschaften bleiben können. Wie hätte dieses Bündnis ausgesehen? Das Staatsverständnis der französischen Republik war unitär und zentralistisch. Viel­leicht wäre Haiti also gleichberechtigter Teil einer universellen Republik geblieben. Das gesamte Projekt der Dekolonisierung hätte dann wohl eine andere Form angenommen. Vielleicht hätten Ent­fernung, unzureichende Kommunikationsmittel und ein Sinn für Unabhängigkeit zu einer loseren, föderalen Struktur geführt. Vielleicht wäre es auch lediglich zu einem engen Bündnis unabhängiger Staaten gekommen, wie es James (1984: 301) als heimliches Ziel Toussaints vor Napoleons Verrat vermutet. Jedenfalls hätte es für die Aufklärung besser ausgesehen.

Moderne und Aufklärung

Die Leitfrage, die der empirische Teil beantworten sollte, lautet: Zeigt also das Beispiel Haiti die Möglichkeit, dass sich die Aufklärung aus sich selbst heraus universalisieren und über ihre histori­sche Verbindung mit der Barbarei hinaus radikalisieren kann? Wie stellt sich diese Frage nun also dar? Viele der Barbareien gingen schlichtweg von Konterrevolutionären und Gegenaufklärern aus. Wie Toussaint die anderen schwarzen Heerführer überzeugen wollte, hätten die Könige sie ver­sklavt, während die Republik ihre selbst erkämpfte Freiheit anerkannte und schützte (Hanke 2017: 121). Doch ganz so einfach ist die Antwort nicht. Das Direktorium und Napoleon waren ebenfalls Geschöpfe von Aufklärung und Revolution. Wie konnten diese sich wieder gegen die Befreiung richten? Zuerst muss wohl näher geklärt werden, was Moderne und Aufklärung bedeuten.

Ich schlage daher zunächst die Unterscheidung von Moderne und Modernismus vor. Modernismus ist in diesem Sinne eine inhaltliche, bewusste Position, die sich grob mit Aufklärung gleichsetzen lässt. Diese Position umfasst idealtypisch eine Reihe von Elementen. Sie ist sich der historischen Bedingtheit und damit auch Veränderbarkeit der eigenen Umstände bewusst. Damit einher geht ein Antitraditionalismus, der die Last der Tradition durch rationalistische Kritik ersetzen will. Daher ist der Modernismus ein Projekt (Vgl. etwa Koselleck 1979: 365), das grundlegend zukunftsbezogen ist. In der zu schaffenden Zukunft können aber keine soziale Ungleichheiten vergangener und ge­genwärtiger Tradition und Kultur Bestand haben. Daher ist der Modernismus tendenziell egalitär und universalistisch. Die Vernunft erkennt weder Herkunft noch Kultur an. Und tatsächlich sind in diesem Sinne modernistische Bewegungen weder räumlich noch zeitlich gebunden. Treten be­stimmte Bedingungen auf, die die Zirkulation neuer Ideen begünstigen (Urbanität, Schriftlichkeit, Fernhandel) und kommt es idealerweise noch zu einer Krise der herrschenden Ordnung, finden sich schnell im weiteren Sinne modernistische Bewegungen. So entstanden etwa 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung aus der Krise des altindischen Kastensystems nicht nur die neuen Religionen Bud­dhismus und Jainismus, sondern auch der religionskritische altindische Materialismus (Chattopa­dhyaya 1959). Im Persien des fünften und sechsten Jahrhunderts sollte schließlich die zoroastrishe Sekte der Mazdakiten für Aufsehen sorgen (Yarshater 1983), und wird manchmal als erste echte so­zialistische Bewegung der Geschichte beschrieben. All diese Bewegungen wurden aber niederge­schlagen.

Im Gegensatz zum inhaltlich bestimmten Modernismus ist Moderne zunächst ein Epochenbegriff. Erst in der Epoche der Moderne waren die Bedingungen des Modernismus anscheinend in einem solchen Umfang herangewachsen, dass sie nicht mehr aus der Welt zu schaffen waren. Die Epoche aber ließ sich geographisch in Europa verorten. Mit der „doppelten Revolution“ (Hobsbawm 2014), der industriellen in England und der politischen in Frankreich (und Haiti) kam sie Ende des 18. Jahrhunderts endgültig zum Durchbruch. Die beiden auch inhaltlich modernistischen Strömungen der Moderne sollten Liberalismus und Sozialismus werden. Beide Richtungen hatten dabei Theore­tiker, die feststellten, dass sich ein verselbstständigter Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung bemächtige, die doch eigentlich dem allgemeinen Willen unterworfen werden sollte. Bei Smith (1776), einem in der französischen Revolution durchaus einflussreichem Denker, war dies die be­rühmte „unsichtbare Hand“, bei Marx (1867: 100) das „automatische Subjekt“. Ein Hauptkonflikt zwischen den beiden Strömungen lässt sich als Meinungsverschiedenheit über den Umgang damit lesen. Der Liberalismus begrüßte die historisch beispiellose Dynamik des Prozesses und die Rate an Neuerungen, weshalb er sich mit dem Verlust der gesellschaftlichen Kontrolle zufrieden gab und der Politik die Rolle zuwies, lediglich die besten Bedingungen für die Entwicklung des Prozesses bereitzustellen. Der Sozialismus begrüßte diese Dynamik zwar ebenfalls, versuchte aber sie gesell­schaftlich steuerbar zu machen.

Doch wie konnte sich der Prozess verselbstständigen? Horkheimer und Adorno (2010: 12) machen u.a. den vielleicht etwas unglücklich formulierten Punkt, dass Aufklärung insofern „totalitär“ sei, dass sich selbst ihre Gegner an Elementen der Aufklärung bedienen müssten15. So speise sich mo­derner religiöser Fanatismus aus dem Widerspruch, areligiöse Elemente aufnehmen zu müssen, um sich behaupten zu können, was wiederum das Zugeständnis ist, nicht mehr reiner Glaube zu sein16 (Ebd.: 26). Die Neuerungen und Methoden der Moderne sind also anscheinend derart effektiv, dass sich selbst Anti-Modernisten ihrer bedienen müssen. Diese These lässt sich zu der ausbauen, dass die Effektivität der sich ständig entwickelnden modernen Methoden schlichtweg dazu zwingt, sich ihnen immer wieder anzupassen oder aber mit den Konsequenzen zu leben und sterben. Damit ergeben sich aber zwei Widersprüche in der Moderne. Erstens können ungleiche Entwicklungen zwischen technischem und gesellschaftlichem Fortschritt zu katastrophalen Rückschlägen führen. Zweitens entsteht die Möglichkeit einer „modernen Antimoderne“ (Weiß 2012), wenn Reaktionäre mit modernen Mitteln gegen modernistische Errungenschaften kämpfen.17

Noch vor der vollen Etablierung sowohl des Prozesses der Moderne als auch der modernistischen Strömungen trifft Blom (2013) die Unterscheidung von gemäßigter und radikaler Aufklärung im vorrevolutionären Frankreich. Während der radikale d‘Holbachsche Salon sowohl Religion als auch Sklaverei verdammte, diente sich etwa der bekanntere und gemäßigte Voltaire der Herrschaft an. Die Kritik der Religion reduzierte er auf die Kritik des Aberglaubens18, und investierte in die Com­panie des Indes, welche in Frankreich das Monopol auf Sklavenhandel innehatte19 (Miller 2008: 429). Blom (2013: 346) sieht dies als „die Gefahren, die darin liegen, sich mit den Großen dieser Welt einzulassen“ (2013: 346). Die normative Macht des eh schon Bestehenden und Praktizierten, und die handfesten Vorteile des Arrangements damit, scheint also der erste historische Sündenfall der Mainstream-Aufklärung gewesen zu sein. Radikale Aufklärung dagegen muss auch bereit sein, die eigenen Grundlagen anzugreifen.

Weiß (2012) schildert gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine weitere Transformation der modernen Ideenwelt, die Genese der antimodernen Moderne. Die Entwicklung des deutschen Altkonservatis­mus zum Protofaschismus der sogenannten Konservativen Revolution lässt sich auf den Umgang mit der Öffentlichkeit moderner Gesellschaften zurückführen. Getrieben von der „Logik des Zwangs zur Popularisierung eines vom Kern her elitären […] Denkens“ (Zit.n. Ebd.: 86) wandelte sich im Zeitalter der aufziehenden Massenpolitik etwa der Adelskult in einen Kult der Nation (Ebd.: 86-92), die Verehrung des Monarchen in einen Führerkult (Ebd.: 54-55) und der klassizistische Kitsch der Hofmalerei, durch Verschwörungstheorien über angeblichen „französischen Imprecios­sionismus […] im Bund mit jüdischen Kunsthändlern“ (Zit.n. Ebd.: 128) in „Nationalkunst für Deutschland“, geprägt durch „große Dimensionen, monumentale Haltung, Weiträumigkeit, kostbare Materialien“ (Zit.n. Ebd.: 132).

In solchen Umständen konnte die Moderne statt als alle Traditionen zerschmetternder Prozess als eine Eigenschaft erscheinen, die man besitzen könne. Der konservative Kritiker der Moderne Ko­selleck (1979: 364) beschreibt das Resultat: „Man wußte sich als Gruppe, als Land oder schließlich als Klasse den anderen voraus […]. Man war technisch überlegen, man schaute auf vorzeitige Ent­wicklungsstufen anderer Völker herunter, die anzuleiten sich deshalb der zivilisatorisch Überlegene berechtigen musste.“

Genau gegen diese Verdinglichung stellte die Haitianische Revolution aber das beste Gegenmittel dar. Nicht nur zerbrach es die räumliche Verortung der Moderne in Europa. Es führte auch die Bar­barei der scheinbar aufgeklärten Europäer vor Augen, die nichts unversucht ließen, die wahrhafte Universalisierung der Aufklärung zu unterbinden. Hätte der französich-haitianische Bund Bestand gehabt, hätte Haiti Europa und der von Europa unterworfenen Welt vor den in diesem Kapitel ge­schilderten Irrwegen womöglich retten können. Doch auch so ist die Haitianische Revolution laut Žižek (2009: 233) „eine Wiederholung der Französischen im strikten Hegelschen Sinne, wonach ein Ereignis nur durch seine Wiederholung die Dimension der Allgemeinheit erlangt.“ Aus der reinen Philosophie übersetzt heißt das wohl, dass die angeblich universalistische Revolution in Frankreich partikularistisch geblieben wäre, hätte Haiti sich ihr nicht angeschlossen. Da Haiti dies aber tat, kann die Aufklärung tatsächlich universalistisch sein.20

Die Sichtbarmachung der europäischen Barbarei war Zeitgenossen dabei tatsächlich bewusst. In li­beralen deutschen Kreisen, denen auch Hegel angehörte, führte dies etwa zu einer eigenwilligen In­terpretation. Während die „Mörder und Henker“ der mit den haitianischen Revolutionären verbün­deten Jakobiner „eine große und feine Nation [in] die Barbarei der frühesten Perioden“ zurückwür­fen, würde die Welt Zeuge des Aufstiegs der „Neger“ in der „Schwarzen Republik“, „die sich aus der abscheulichsten Sklaverei befreiten und sofort die Verbindungen in der Gesellschaft mit Leben erfüllten, Gesetze erließen und Armeen befehligten und so die Barbarei der Sklaverei hinter sich lie­ßen.“ (Zit. n. Buck-Morss 2011: 36) Zeitgenössischen AufklärerInnen war die Bedeutung der Haitia­nischen Revolution (wenn auch vielleicht nicht ihre Bündnispolitik) also anscheinend bewusst. Kein Wunder, dass sie in den nächsten Jahrhunderten systematisch verleugnet und vergessen werden soll­te.

Fazit: Die verleugnete Revolution

Fischer (2005) argumentiert, dass die Haitianische Revolution ein grundlegend prägendes Ereignis der Moderne darstellt, die Modernität Haitis aber verleugnet und die Erinnerung daran gerade des­wegen getilgt wurde, um sie als europäisch statt universell missverstehen zu können. Ein Punkt, den sie dabei mit Buck-Morss(2011) teilt, ist die Prägung der Aufklärungsphilosophie durch die Revo­lution. So sei etwa Hegels zentraler Punkt der Herr-Knecht-Dialektik von einer positiven Rezeption der Ereignisse auf Haiti inspiriert gewesen (Ebd.: 26-27). Wieso aber blieb Hegel nur zwischen den Zeilen ein Abolitionist und bezog sich nur ein mal direkt auf Haiti (Ebd.: 30, 36-37, 92)? Napoleon hatte nicht nur Toussaint im Kerker sterben lassen, sondern verbreitete auch gerade mit einem gewissen Nachdruck gemäßigte Aufklärung in Europa. Hegel „hatte wenig Lust, sich verhaften zu lassen.“ (Ebd.: 38) Durch Arrangement mit den Verhältnissen fiel Haiti so, außer als Schauermär­chen, schnell aus dem kollektiven Gedächtnis. Die Handvoll haitianischer Geschichtsschreiber wur­den schlichtweg ignoriert. Erst 1938 konnte der aus der Karibikinsel Trinidad stammende schwarze Marxist Cyril James mit seinem auch hier ausgiebig zitierten Werk „Die schwarzen Jakobiner“ (Ja­mes 1984) beginnen, die grundlegende Bedeutung der Haitianischen Revolution und ihre enge Ver­bindung mit der Französischen wieder ins akademische Bewusstsein zu hämmern (Hanke 2017: 8-9). In der englischsprachigen Literatur ist dies mittlerweile weitgehend verankert (Ebd.). Dem lässt sich hinzufügen, dass die Rezeption der Haitianischen Revolution im englischsprachigen Raum über den strikt akademischen Bereich hinausgeht. So schmückt etwa das den Democratic Socialists of America nahestehende Jacobin Magazine seinen Briefkopf mit dem Bild eines schwarzen Jakobi­ners (Jacobin 2020). In der Geschichtsschreibung anderer Sprachen wird Haiti aber weiterhin ver­nachlässigt. Hanke (2017: 9) betont etwa, dass in deutschsprachigen Standardwerken zur Französi­schen Revolution Haiti z.T. immer noch schlichtweg ignoriert wird. Ein Beispiel der expliziten Leugnung findet sich dagegen beim Kulturkämpfer Huntington, der behauptet, Haiti sei für die Ge­schichte der Zivilisation völlig nebensächlich, da es sich um ein „einsames Land“ ohne kulturelle „Gemeinsamkeiten mit anderen Ländern“ handele (Zit.n. Buck-Morss 2011: 28-29).

Umso erstaunlicher ist, dass die Ignoranz gegenüber der Haitianischen Revolution sich in der post­kolonialen Theorie doppelt, die doch im Bereich der Geistesgeschichte Europa provinzialisieren will. Mbembe betont zwar die herausragende Bedeutung der haitianischen Unabhängigkeit für die schwarze Geschichte, geht aber an keiner Stelle näher auf den Verlauf der Revolution ein. Auch Ja­mes (oder Toussaint und Dessalines) zitiert er nicht, obwohl er sich sonst bemüht, das Maximum an schwarzen Stimmen wieder erklingen zu lassen, und dabei sonst weder vor MarxistInnen noch vor älteren Texten zurückschreckt. Doch obwohl er vor schlichter Identitätspolitik warnt21 und bei der Verdammung des Rassismus als Angriff auf „das universell Menschliche“ (Mbembe 2019: 55) auf modernistische Kategorien zurückgreift22, schreibt er auch, die Moderne sei „in Wirklichkeit nur der andere Name für das europäische Projekt grenzenloser Expansion“ (Ebd.: 110). Da James im beson­deren Maße die Allianz der französischen und schwarzen Jakobiner und damit auch die Rolle auf­klärerischer Ideen betonte, scheinen Mbembe James und die Details der Haitianischen Revolution also zu ‚europäisch‘ zu sein. In seiner umfangreichen Kritik der ersten Generation der postkolonia­len TheoretikerInnen betont Vivek Chibber (2013) ebenfalls eine falsche Identifikation von Aufklä­rung und europäischer Bourgeosie. Dass viele dieser Pioniere dabei Haiti vernachlässigten, mag noch insofern nachvollziehbar sein, als dass sie, wie Chibber, überwiegend aus dem indischen Sub­kontinent stammten und ihre Theorie anhand der naheliegenden Empirie bildeten. Dass die auf ihnen aufbauende Theorieschule das Thema aber großflächig zu ignorieren scheint23, ist weniger entschuldbar. Effektiv haben sie sich mit der Position der Imperialisten des 19. Jahrhunderts gemein gemacht, dass Aufklärung nicht universell sondern europäisch sei. Die Vorgänge auf Haiti scheinen ihnen daher, wie gesagt, zu ‚europäisch‘ zu sein.

Dem bleibt nur entgegen zuhalten: Die Haitianische Revolution war die Universalisierung der Auf­klärung. Die Haitianische Revolution war angewandte Aufklärung.

Literatur

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